Mittlerweile schon eine Tradition in Söllingen hat der 1+1-Gottesdienst mit den Sonnyboys wieder
viele angezogen. Mit Schwung haben die, bei vielen Älteren beliebten Musiker, Songs der 60er und 70er Jahre gespielt, die manche schönen Erinnerungen an die Jugendzeit haben wach werden lassen.
Pfarrer Gantert hat mit seiner Predigt das niemals erledigte Thema „Kommunikation in der Partnerschaft“ aufgegriffen und einige wichtige Impulse für gelingende Kommunikation gegeben. Wie wichtig ist uns der andere, sei es der Partner, seien es die Kinder? Haben wir wirklich Zeit, ihnen zuzuhören oder sind wir so eingedeckt mit Terminen und eigenen Interessen, dass wir bestenfalls mit halben Ohr bei der Sache sind.
Bitter ist die Entdeckung eines Mannes, über die berichtet wurde, der erst in der Eheberatung merkte, dass er seine Frau und deren Empfindungen überhaupt nicht kannte. Manchmal lässt auch eine verkorkste Persönlichkeit echte Kommunikation scheitern. Der Partner mag sich noch so sehr bemühen, Anerkennung und Wertschätzung verbal zu vermitteln, die Worte prallen am anderen ab, weil er ein so negatives Selbstbild von sich hat, das die guten Worte gar nicht an sich heranläßt. Wie befreiend, wenn solche Zwänge gesprengt werden und beide Partner freiwerden, Liebe zu geben und zu empfangen.
Angesprochen wurde auch die Angst, vom anderen nicht, oder falsch verstanden zu werden, die zum Rückzug ins Schneckenhaus führt. Zugrunde liegen oft frühere Verletzungen, die erst aufgearbeitet werden müssen, bevor wirkliche offene Kommunikation möglich wird. Gewarnt wurde eindringlich vor Annahmen und Verdächtigungen. „Was du denkst, dass der andere denkt, ist meist nicht das, was er wirklich denkt.“ Wenn wir wissen wollen, was der andere denkt, müssen wir ihn fragen. Rechtzeitiges und sensibles Ansprechen auch schwieriger Dinge helfen uns den anderen zu verstehen – und Mann und Frau sind wirklich sehr verschieden – und verhindern, dass wir uns ein falsches Bild vom anderen machen oder diesen in eine Rolle pressen, aus der er nur schwer herauskommt.
Oftmals sind es die Banalitäten des Alltags, die uns am meisten zu schaffen machen. Man ärgert sich über die Andersartigkeit des Partners und reibt sich an läppischen Gewohnheiten, die er aus seiner Familie mitbringt, die einem selber aber fremd und ungewohnt sind. Wie wichtig ist hier das ehrliche und ausgiebige Gespräch, um ständigen Missmut oder Ärger zu vermeiden und beiden Seiten gerechte Lösungen oder Kompromisse zu finden. Als letzter Punkt wurde dann der wichtige Sachverhalt behandelt, dass alle Paare aneinander schuldig werden. Keiner ist vollkommen. Niemand ohne Schwächen und Fehler. Wie gehen wir damit um? Nicht die Konflikte und Meinungs-verschiedenheiten sind am Scheitern von Ehen schuld, nicht die Verschiedenheit der Charaktere, sondern Unversöhnlichkeit und Sturheit.
„Wir gehen oftmals mit den Menschen am lieblosesten um, die wir vorgeben, am meisten zu lieben.“ Wenn immer wieder altes Fehlverhalten vorgeholt und dem Partner vorgehalten wird, wenn die Bereitschaft fehlt, zu verzeihen und die Dinge gut sein zu lassen, wenn der andere keine Chance bekommt, sich zu ändern, dann belastet das eine Beziehung schwer, ja kann sie zerstören.
Am wichtigsten für eine dauerhaft gute Partnerschaft ist die Bereitschaft, gerne und rasch zu verzeihen und um Verzeihung zu bitten. „Die Liebe bewährt sich in der Treue, aber sie vollendet sich in der Vergebung (Werner Bergengruen).“ Um diese Bereitschaft Tag für Tag zu haben, brauchen wir Gottes Liebe und seine Kraft. So schloss die Ansprache mit dem Verweis auf die unerschöpfliche Quelle der Liebe, die Gott ist. Wohl dem Paar, das entdeckt, dass es Gott zu seinem Glück braucht und das in allem mit dem himmlischen Vater rechnet. Ermutigt wurde, auf Gottes Hilfe zu setzen, der mehr , als oftmals wir selber, an dem Glück und Gelingen unserer Ehe interessiert ist. Das Beispiel einer Ehe, die fast auseinandergebrochen wäre, wenn nicht Vergebung Wirklichkeit geworden wäre, stand am Ende.
Mit einem eindringlichen Fürbittgebet für alle glücklichen, aber auch die strauchelnden Paare schloss der 1+1-Gottesdienst 2011. Mit mitreißenden Songs von Chuck Berry leiteten die Sonnyboys dann zum anschließenden Empfang im Kirchgarten über, der von vielen noch zu ausgedehntem Plaudern, aber auch zu tieferen Gesprächen genutzt wurde. Erst lange nach dem Gottesdienst gingen die letzten nach Hause. Ein gelungener Morgen, der nach Wiederholung verlangt.
(Bildquelle: Susanne Wenz)