
(Bildquelle: Susanne Wenz)
Doch der Herr hat zu mir gesagt: »Meine Gnade ist alles, was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung. (NGÜ)
Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (Luther 1984)
Liebe Leser,
ich grüße Sie zum neuen Jahr, auch wenn dieses schon wieder einige Wochen alt ist, mit der Jahreslosung, die uns alle durch das Jahr begleiten soll. Ein Wort des auferstandenen Christus an seinen Jünger Paulus: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ So hat Luther es auf Deutsch wiedergegeben. In der jüngst erschienenen revidierten Fassung der Genfer Bibel lautet der Vers: „Meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.“ Das verstehen wir besser.
Wenn wir uns schwach und ohnmächtig fühlen, hilflos und ohne blassen Schimmer, wie es weitergehen soll, dann kann Gott seine erstaunliche und unser Vorstellungsvermögen und unsere
kühnsten Träume übersteigende Kraft erweisen. Gott hat Wege, wo wir keine sehen. Gott hat Rat, wo wir ratlos sind. Gott hat Möglichkeiten, wo wir aufgeben wollen.
Paulus hat das immer wieder in seinem Leben erfahren. Er zählt in demselben Brief, aus dem die
Jahreslosung stammt, einmal auf, wie oft er sein Leben in Todesgefahr sah, und kann bezeugen, wie Gott immer wieder eingegriffen hat und die Situation zum Guten hin verändert hat. So kommt er dann zu dem uns zunächst befremdenden Resumee, dass er, wenn er sich schon rühmen soll, seiner Schwachheit rühmen möchte. Er hat keine Lust mit eigenen Leistungen und Erfolgen zu prahlen. Ihm liegt daran, auf Gottes gewaltige Möglichkeiten und seine unbegreifliche Liebe zu verweisen, die er immer wieder in den größten Schwierigkeiten seines Lebens erfahren hat. Sogar aus den übelsten und kritischsten Situationen hat Gott Gutes erwachsen lassen.
Wobei Paulus auch die Erfahrung machen musste, dass Gott seinen Weg mit uns geht, und wir ihm nicht vorschreiben können, wie er zu handeln hat. Mehrfach hat Paulus gebetet, dass Gott in einer bestimmten Sache eingreifen und ihm Erleichterung oder Abhilfe schaffen möchte, und Gott hat es nicht getan. Ihm schien es das Beste zu sein für seinen Diener Paulus, wenn dieser in dem Ganzen durchhält, ausharrt, drunterbleibt.
In diesen Zusammenhang hinein gehört das Wort der Jahreslosung: Christus sagt auf seine mehrfache, inständige Bitte hin: Laß dir an meiner Gnade genug sein! Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Oder, wenn man es genau übersetzt: Meine Kraft kommt in der Schwachheit zu ihrem Ziel. Anders gesagt: Vertraue mir. Ich weiß, was gut ist für dich, was dir wirklich hilft. Vertraue mir: ich werde alles zu einem guten Ende führen. Paulus hat sich immer durchgerungen zu einem völligen Vertrauen in Gottes gute Absichten mit ihm, und sich ganz in Gottes Führung ergeben.
Er lebte dieselbe Einstellung, die Dietrich Bonhoeffer in den schweren Zeiten des 2. Weltkrieges
hat schreiben lassen: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“ Und wie Bonhoeffer hat auch Paulus immer wieder erlebt, dass in solchem Glauben alle Angst vor der Zukunft überwunden wurde.
Die Jahreslosung macht uns Mut, in völligem Gottvertrauen in das neue Jahr zu gehen, auch wenn wir nicht wissen, was es an Schwierigkeiten, Herausforderungen oder auch Versuchungen bringen mag. Wir müssen nicht stark sein. Es genügt zu wissen, dass wir einen starken Gott haben,der uns liebt und der uns in keiner Situation im Stich lassen wird, sondern seinen Beistand und seine Hilfe zugesagt hat.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen neue frische Erfahrungen mit Gott und seiner Liebe im neuen Jahr.
Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer
Norbert Gantert